Statusbericht August bis Oktober

In den letzten Wochen drehte sich an unseren Pilotschulen alles darum, die Erprobung der Schul-Cloud im Unterricht organisatorisch, technisch und didaktisch so vorzubereiten, damit sie jetzt im neuen Schuljahr 2017/18 mit ein bis drei Klassen pro Pilotschule beginnen kann. Wir freuen uns, dass wir zusätzlich zu den bisherigen 26 Schulen des nationalen Excellence-Schulnetzwerks MINT-EC nun auch die Gemeinschaftsschule Bellevue in Saarbrücken zur Pilotschule im Projekt zählen können: Die als Smart School ausgezeichnete Schule hat bereits seit 2002 Erfahrungen gesammelt in der Entwicklung der eigenständigen Lehrerumgebung „Lernwelt Saar“, in der Lehrkräfte schulübergreifend digitale Unterrichtsinhalte einstellen und austauschen.

Obwohl unsere Schulen jetzt erst punktuell mit der Erprobung im Unterricht beginnen und systematische Rückmeldungen aus dem Unterricht ab November zusammengetragen, lassen sich aus vielen Schulbesuchen, Emails, Telefonaten und der eingesetzten Projektmanagementplattform jetzt schon besondere Herausforderungen, aber auch positive Erfahrungen rückmelden.

Bildungspolitischer Hebel des Projekts

In allen Gesprächen wird immer deutlicher, wie wichtig das Projekt allgemein als bildungspolitischer Hebel für das Voranbringen des digitalen Wandels an Schulen ist – und dies nicht nur für die aktuell am Projekt teilnehmenden Pilotschulen. Die gemeinsame, bundesweite Entwicklung von unten nach oben unter offenem Einbezug aller Interessierten scheint hier insgesamt ein entscheidender Faktor zu sein. Durch die schrittweise Lösung der sich ergebenden Probleme setzt das Projekt stellvertretend eine Vielzahl an ganz konkreten Prozessen und Mitgestaltungsmöglichkeiten in Gang, die für die notwendige digitale Transformation der Schulen längst fällig sind; und mit dem Verweis auf die konkreten Voraussetzungen zur (künftigen) Nutzung lassen sich nicht nur Lehrkräfte, Eltern und Schulleiter, sondern vor allem auch Schulträger, Datenschutzbeauftragte, Ministerien, Verlage, Wirtschaftsvertreter und andere (potenzielle) Partner zum gemeinsamen Handeln bewegen.

Intuitive Bedienung und gute Funktionsgrundlage

Rückgemeldet haben viele Pilotschulen zudem, dass die Schul-Cloud in ihrem aktuellen Entwicklungsstand für Lehrende und Lernende im Unterricht bereits sehr intuitiv zu bedienen ist. Selbst sonst noch zurückhaltende Eltern lassen sich durch die Demonstration der Schul-Cloud von der Einwilligung zur Nutzung überzeugen; und im funktionalen Vergleich zu bereits genutzten Schulplattformen kann die Schul-Cloud bereits in vielen Fällen mithalten. Gerade im Bereich der durchsuchbaren Inhalte, der verfügbaren Werkzeuge und Schnittstellen besteht aber noch ein großer Ausbaubedarf, der Schritt für Schritt kommen soll. Das HPI stellt auf der Startseite der Schul-Cloud unter http://schul-cloud.org inzwischen auch Demo-Zugänge für alle Interessierten zur Verfügung, mit deren Hilfe sich jeder ohne Anmeldung selbst einen Funktionsüberblick aus der Lehrer- oder Schülerperspektive verschaffen kann. (Hinweis: Zum jetzigen Stand werden nur Firefox, Chrome und Safari als Webbrowser offiziell unterstützt).

Schutz der persönlichen Daten

Eine weitere Herausforderung sind die datenschutzrechtlichen Verfahren in Papierform, die in ihrer derzeitig vorgeschriebenen Form große zusätzliche Verwaltungsaufwände an den Schulen verursachen und digitale Schulprojekte nicht erleichtern.

Zur Nutzung der Schul-Cloud schließt die jeweilige Schulleitung zunächst einen Vertrag zur sogenannten Auftragsdatenverarbeitung (ADV) mit dem Hasso-Plattner-Institut, in dem festgehalten ist, welche Daten in welchem Umfang durch die Schul-Cloud für die Schulen verarbeitet werden. Daneben müssen alle Nutzer (die Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler der Erprobungsklassen bzw. deren Erziehungsberechtigte) mit ihren Unterschriften schriftlich einerseits in die freiwillige Nutzung der Schul-Cloud und die Erhebung bestimmter personen- und nutzungsbezogener Daten einwilligen, und andererseits in die freiwillige Teilnahme am parallel verlaufenden Forschungsvorhaben des HPI, bei dem Nutzungs- und Umfragedaten für die Projektevaluation anonymisiert aufbereitet werden. Bei Erreichen der Volljährigkeit ist gesondert die Unterschrift der Schülerinnen und Schüler einzuholen. Das Einholen aller dieser Unterschriften durch die Schulen auf analogem Wege stellt sich für derzeit ca. ein bis drei Erprobungsklassen bereits recht aufwändig dar; und für einen schulweiten Einsatz müssen dringend andere Wege gefunden werden.

MINT-EC und das Hasso-Plattner-Institut nehmen den Schutz der persönlichen Daten der am Pilotprojekt beteiligten Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte sehr ernst. Das HPI berücksichtigt beim Aufbau der Schul-Cloud einerseits die Datenschutzbestimmungen der Länder und andererseits bereits die Regelungen der ab Mai 2018 geltenden EU-Datenschutz-Grundverordnung. Das Projekt wird auch durch einen Fachbeirat begleitet, in dem unter anderem die Landesbeauftragten für den Datenschutz aus Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg sowie die Vorsitzenden der Arbeitskreise „Datenschutz und Bildung“ sowie „Technik und Bildung“ vertreten sind. Keine Speicherung von Daten ist allerdings keine Option in Systemen, die den Nutzern individuell und an jedem Ort anzeigen sollen, woran sie persönlich zuletzt gearbeitet haben. Das Konzept des HPI sieht vor, Nutzerdaten mit anderen Diensten im Hintergrund nur per automatisch generierten Pseudonymen auszutauschen, sodass den Diensten niemals ein Rückschluss auf die realen Anwender möglich ist, obwohl dies für die Anwender keine Einschränkungen bedeuten soll. Sämtliche Verfahren werden mit den Datenschutzbeauftragten abgesprochen, und es wird Wert darauf gelegt ein bundesländerübergreifend wirksames Datenschutzkonzept zu entwickeln.

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