Statusbericht Juni und Juli 2017 – Vorbereitung auf die Erprobung nach den Sommerferien

Entwicklung und Positionierung der Schul-Cloud mit den Pilotschulen

In den letzten Wochen fanden drei weitere Arbeitstreffen der MINT-EC-Pilotschulen statt. Ein ganz wesentlicher Bestandteil dieser Treffen war ein ausführlicher Informationsaustausch und Erwartungsabgleich, denn aus sehr unterschiedlichen Erfahrungen, Kenntnissen und Perspektiven der Teilnehmenden ergeben auch sehr heterogene Erwartungen an die Schul-Cloud, die mit den technischen Möglichkeiten und den Zielen des Hasso-Plattner-Instituts in Einklang zu bringen sind.

Anders als in vielen anderen Fällen wird den Pilotschulen kein fertiges und im Kern unveränderliches Produkt vorgesetzt, sondern sie erhalten die Aufgabe und Chance, bei der Entwicklung von unten nach oben kontinuierlich mitzuwirken: Die Schulen testen die entwickelten Bestandteile regelmäßig, und ausgehend von den konkreten Funktionen können sie dann darauf aufbauende Anforderungen oder Änderungswünsche formulieren, die in die weiteren Entwicklungsschritte einfließen. Dieser nach oben offene Iterationsprozess und Gestaltungsspielraum ist Neuland für viele Lehrkräfte, zumal er bedeutet, Visionen von noch nicht vorhandenen technischen und didaktischen Möglichkeiten zu entwickeln und zu Beginn nur basale Funktionen im Einsatz erproben zu können, während das System kontinuierlich um komplexere Funktionen erweitert wird.

Gerade der zu diesem frühen Zeitpunkt noch relativ abstrakte Vergleich zu fertigen Produkten im Schulumfeld ist hier eine Herausforderung, schafft aber auch Klarheiten, weil die Cloud in erster Linie eine niedrigschwellige Schnittstelle für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler zu existierenden Produkten sein soll: Im Kern soll die Schul-Cloud Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern eine übergreifende Recherche und Zugriff auf bereits vorhandene webbasierte Lernangebote mit Einbindung in eine digitale Unterrichtsplanung erlauben, ohne dass die Nutzer dafür zwischen verschiedenen Nutzerkonten wechseln müssen.

Als Schnittstelle will die Schul-Cloud dabei in ihren eigenen Funktionen weder bereits vorhandene Lösungen neu erfinden noch den Funktionsumfang kompletter Lernplattformen abdecken. Ziel ist es vielmehr, einen einheitlichen Zugriff auf am häufigste benötigte LMS[1]-Kernfunktionen zu bieten (insbesondere Unterrichtsplanung, Hausaufgaben- und Terminverwaltung) und darüber hinausgehende, komplexere Anforderungen durch die Anbindung bestehender Systeme und Lösungen abzudecken. Gestützt wird dieser Ansatz durch eine schlanke, offene und modulare Architektur, die eine eigenständige Nutzung der Schul-Cloud mit eigener Benutzeroberfläche ermöglichen soll wie auch die herausgelöste Verwendung einzelner Komponenten mit bereits vorhandenen Systemen.

Wesentliche Alleinstellungsmerkmale der Schul-Cloud sind – neben dem engen Einbezug künftiger Anwender in die Entwicklung – auch das länderübergreifende Datenschutzkonzept, das unter anderem für die bundesweiten Kollaborationsmöglichkeiten zwischen Schulen entscheidend ist, und nicht zuletzt der offene Quelltext, durch den sich im Prinzip jeder an der Weiterentwicklung beteiligen kann.


[1] Learning Management System, zu deutsch: Lernplattform

 

Treffen der Arbeitsgruppen

Nachdem sich die AG „IT-Konzepte“ am 8. Mai mit Erfahrungen und Empfehlungen für die zugrundeliegende IT-Infrastruktur (einer allgemeinen Internetnutzung an Schulen) bei unterschiedlichen Szenarien auseinandersetzt hatte, ließ sich nochmal festhalten, dass die Voraussetzungen zur Nutzung der Schul-Cloud die gleichen sind wie zur Nutzung des Internets an Schulen im Allgemeinen: WLAN-Ausleuchtung in den Räumen (inkl. WLAN-Roaming), der technisch-organisatorische Rahmen für BYOD[2] und eine Anbindung mit über 100 Mbit/s (idealerweise per Glasfaser) sind ganz wesentliche Faktoren für eine nachhaltige Digitalisierung. Empfehlungen zu Präsentationstechnik, Ausstattung mit Endgeräten u. ä. werden im Rahmen des Projektes noch detaillierter evaluiert und spezifiziert. (Weitere Details zu dieser AG finden Sie im Statusbericht vom Mai 2017.)


[2] Bring Your Own Device: die Möglichkeit, nicht nur schuleigene, sondern beliebige, gerade auch private (oder teilweise privat finanzierte) Endgeräte (Smartphones, Tablets, Notebooks etc.) im lokalen (Schul-)Netzwerk nutzen zu können.

Am  18. Mai traf sich dann die AG „Unterrichtsnutzung“ an der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule in Kassel, um didaktische Ansätze für den Einsatz der Schul-Cloud und anderer digitaler Hilfsmittel im Unterricht zu besprechen. Es wurde festgehalten, dass die experimentelle Erprobung der Schul-Cloud (beginnend nach den Sommerferien) im punktuellen Einsatz mit ein bis zwei Klassen pro Schule in den Fächern Mathematik oder Erdkunde der Klassenstufen 7 bis 9 erfolgen sollte, um eine gute Vergleichbarkeit der Erfahrungen und die Auswertung  zwischen den verschiedenen Pilotschulen zu gewährleisten. Darüber hinaus gilt aber, dass die Schul-Cloud gerne auch in Fächern jenseits von MINT und in höheren Jahrgängen erprobt werden kann und sollte! Hinsichtlich des Unterrichtseinsatzes wurde in Gruppen erörtert, inwiefern verschiedene Lehr-Lern-Szenarien (wie Binnendifferenzierung und Gruppenarbeit) durch die Schul-Cloud und weitere digitale Hilfsmittel bereichert werden können.

Auf der AG „Schulleitung- und Organisation“ am 31. Mai an der Elisabethenschule in Frankfurt a. M. wurde festgehalten, dass es bei den mittel- und langfristigen Aufgaben der Schulleitungen hinsichtlich der Schul-Cloud im Kern ebenfalls um die Vision des guten Unterrichts geht und die strategische Unterstützung desselben. MINT-EC hat hierzu ein mehrstufiges Einführungskonzept für die Phasen vor, während und nach der Erprobung vorgeschlagen.

Für die Phase vor der Erprobung wird dabei unter anderem die Bildung einer allgemeiner angelegten Arbeitsgruppe aus Lehrkräften zum Thema „Digitaler Wandel“ empfohlen, um Empfehlungen zu unterschiedlichsten Systemen und digitalen Hilfsmitteln an jeder Schule auszutauschen und systematisch weiterzuentwickeln. Ferner sollte frühestmöglich die Benachrichtigung aller Schulgremien von Seiten der Schulleitungen stattfinden, um Ziele, Erwartungen, Visionen und geplante Schritte hinsichtlich des Schul-Cloud-Projektes aktiv und aus individueller Sicht der Schulen zu kommunizieren und alle Gremien systematisch zu unterstützen.

Beim Austausch zu den weiteren organisatorischen Rahmenbedingungen der Einführung wurde bereits eine Reihe einfacher Lösungen identifiziert, die beim nächsten AG-Treffen konkretisiert werden sollten. Abschließend wurden in der AG auch feste Rollen und Ansprechpartner auf der Ebene der Schulleitung, der fachlichen Koordination und der technischen Unterstützung an jeder Pilotschule bestimmt.

Das zweitägige Pilotschultreffen mit allen AGs am 19. und 20. Juni an der Martin-Luther-Schule in Marburg verlief trotz detaillierter Planungen recht dynamisch, da ein Drittel der Teilnehmenden und Organisierenden durch Anschläge auf diverse Bahntrassen erst mit mehrstündiger Verspätung eintreffen konnte.

Neben zwei Impulsvorträgen zum Einsatz digitaler Medien an den Pilotschulen und der Vorstellung des Prozesses der Systemregistrierung für die Pilotklassen war das Treffen von vornherein primär der Weiterarbeit in den drei Arbeitsgruppen vorbehalten. Dabei wurde ein Erfahrungs- und Empfehlungsleitfaden zur wesentlichen Internet-Infrastruktur an den Schulen aufgebaut, Vorlagen und Muster für Schulleiter-Botschaft, Elternbrief und Mediennutzungsordnungen und eine Linksammlung zu allen länderspezifischen Richtlinien zum Datenschutz und Urheberrecht bei Lernplattformen in Deutschland. Es entstanden ferner bereits gute Ansätze zu einem Schulungskonzept auf Basis eines Zwei-Multiplikatoren-Systems und zu einem organisatorischen Leitfaden für neue Schulen. Regelmäßig wiederholt werden soll zudem der als sehr produktiv empfundene, detaillierte Austausch zwischen Teilnehmenden der Pilotschulen und Vertretern des Hasso-Plattner-Instituts zum Nutzen und zur Weiterentwicklung der aktuellen Systemstrukturen und ‑funktionen.

Aufgrund des Entwicklungsstandes und der erst für das jetzt kommende Schuljahr 2017/2018 geplanten Unterrichtserprobung erwies es sich weiterhin als Herausforderung, so früh schon konkret an einem Empfehlungsleitfaden zur Nutzung der Schul-Cloud zu arbeiten. Für die experimentelle und punktuelle Erprobung der Schul-Cloud nach Ende der Sommerferien haben sich Lehrkräfte der Pilotschulen jedoch darauf geeinigt, konkrete erste Unterrichtsvorhaben für bestimmte Fächer und Jahrgangsstufen schulübergreifend vorzubereiten, und es wurde entschieden, die nächsten Arbeitstreffen weiter in den Herbst zu verschieben, um den Schulen ausreichend Erprobungszeit vor dem gemeinsamen Erfahrungsaustausch zu geben.

Zur Weiterentwicklung der künftigen Zusammenarbeit der Pilotschulen werden die inhaltlichen Zielsetzungen der einzelnen AGs an die laufenden Ergebnisse angepasst, und es sind kleinere Arbeitsuntergruppen und eine verbesserte Kontinuität unter den AG-Teilnehmenden geplant.

MINT-EC möchte sich an dieser Stelle nochmals herzlich für das Engagement bedanken, das die Teilnehmenden der Pilotschulen zusätzlich zu ihren regulären Aufgaben für das Projekt aufbringen!

Vorführung im Rahmen des Digital-Gipfels

Im Rahmen des Digital-Gipfels der Bundesregierung (ehemaliger IT-Gipfel) fand am 12. Juni 2017 am Leininger-Gymnasium in Rheinland-Pfalz eine Veranstaltung statt zum Thema „Schul-Cloud, DigitalPakt#D und Länderstrategien an der Schwelle zur digitalen Welt“. Auf einer entsprechenden Podiumsdiskussion machten Bundesministerin Prof. Dr. Wanka, Staatsministerin Dr. Hubig, Bitkom-Präsidiumsmitglied Berg, HPI-Leiter Prof. Dr. Meinel und Schulleiterin Diehl deutlich, welche Schritte erfolgen müssen, um Deutschlands Schulen auf dem Weg der digitalen Transformation im Zusammenwirken von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft voran zu bringen.

Die Schul-Cloud kam in mehreren Stationen eines Schulrundganges zum Einsatz, in denen Potenziale für das digital unterstützte Lernen aufgezeigt wurden – so unter anderem in einer schulübergreifenden Projektkooperation mit dem Gauß-Gymnasium. MINT-EC und das Hasso-Plattner-Institut bedanken sich bei allen beteiligten Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und den Schulleitungen der beiden Pilotschulen für die freundliche Unterstützung, die umfangreichen Vorbereitungen und den reibungslosen Ablauf. Weitere Einblicke finden Sie im MINT-EC-Blog und auf der HPI-Webseite zum Digital-Gipfel 2017.

Ergebnisse individueller Schulbesuche

Der MINT-EC-Projektkoordinator besucht gemeinsam mit Koordinatoren des HPI weiterhin Pilotschulen, um die Ideen, Ziele und Prozesse hinter dem Schul-Cloud-Projekt einem breiteren Kollegium zu vermitteln, um Einblicke in die individuellen Schulerfahrungen in puncto Digitalisierung zu bekommen und über die individuellen Beweggründe hinter der Projektteilnahme zu sprechen.

Während nicht wenige Schulen auf eine fortschreitende technische Standardisierung durch cloud-basierte Lösungen hoffen und damit auf die langfristige Minimierung von Kosten und Verwaltung durch die momentan noch nötige Anschaffung unterschiedlichster Geräte und Software, sehen viele Schulen die Vorteile des Projektes gerade im schulübergreifenden Austausch von neuen didaktischen Konzepten und Programmen zur Schulentwicklung, aber auch in ganz neuen Möglichkeiten der Kooperation mit Universitäten und weiteren Organisationen.

Durchweg positive Effekte erwarten sich die Schulen von der dauerhaften Verfügbarkeit von Lern- und Arbeitsinformationen, von den Interaktions- und Feedbackmöglichkeiten bei der Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, von der Organisation und Dokumentation von Praktika, Projekten und der AG-Arbeit, und nicht zuletzt von einem aktiven Diskurs über den Umgang mit Medien in Arbeit und Alltag. Klassische Medien und Methoden werden durchweg nicht als gefährdet beurteilt, sondern gerade die Potenziale im binnendifferenzierten Medien- und Methodenwechsel betont.

Die Klärung der Datenschutz- und Urheberrechtsvorgaben ist für die meisten Schulen – neben der entsprechenden IT-Infrastruktur – ein wesentlicher Faktor und wird als eine der größten Hürden für die Nachhaltigkeit digitaler Projekte wie der Schul-Cloud wahrgenommen.

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