Mein Kollegium mitnehmen

Typologie deines Kollegiums

Kollegien sind der beste Ort, um die HPI Schul-Cloud bekannter zu machen. Wie ihr genau Kolleg*innen motiviert, lest ihr auf den folgenden Seiten.

Jede*r geht anders mit Veränderungen um. Einige sind sofort Feuer und Flamme für Neues, während andere erst einmal abwarten und beobachten. Beide Haltungen (und alle dazwischen!) haben ihre Berechtigung.

In den 1960er-Jahren erkannte dies auch der US-amerikanische Kommunikationstheoretiker Everett Rogers, der den Umgang von Menschen mit neuen Technologien beobachtete und in fünf verschiedene Gruppen einteilte.

Sein „Technology Adoption Life Cycle“  arbeitet in einem Spannungsfeld von Inkaufnahme von Unsicherheit und dem Bedürfnis nach Sicherheit. Rogers identifiziert daher neben den neugierigen Innovator:innen (Innovators) und Erstanwender:innen (Early Adopters) auch eine erste Mehrheit (Early Majority) an Personen, die Neues einsetzen. Diese drei Gruppen gemeinsam erreichen ungefähr 50% der beteiligten Personen und unterscheiden sich grob dadurch, wie schnell sie Neuerungen ausprobieren und wie tolerant sie Fehlern gegenüberstehen. Die Gruppe der eher Abwartenden teilt sich nach Rogers in die späte Mehrheit (Late Majority) und die Nachzügler*innen (Laggards) ein.

Insbesondere die Nachzügler*innen sind Personen, die schon viel Erfahrung und lang bewährte Routinen mitbringen. Aus Sicht dieser Kolleg:innen senkt das Vorhandensein dieser Routinen die Notwendigkeit für Veränderung teilweise erheblich. Im Umgang hilft es, das Dagegenhalten der Beteiligten auch als Gegenmotivation zu verstehen. Die kritischen Stimmen setzen sich zumeist für Strukturen und Prozesse ein, die sich für sie in langjähriger Tradition bewährt haben. Kolleg*innen, die Widerstand leisten, sind nicht unmotiviert, sondern gegenmotiviert.

Vielleicht vermutet ihr, dass eine Einordnung in bestimmte Gruppen auch durch das Alter vorbestimmt sein könnte. Interessanterweise ist das in unserer Erfahrung so gut wie nie ein ausschlaggebendes Kriterium.

Es ist daher auch nachvollziehbar, dass zuerst eher wenige Kolleg*innen für eine Plattform wie die HPI Schul-Cloud begeistert werden können. Außerhalb des Unterrichts steht vielen Kolleg*innen generell nur wenig Zeit zur Verfügung, um sich mit technischen Neuerungen im Unterricht vertraut zu machen. Neben der technischen Einarbeitung muss auch der pädagogisch-didaktisch sinnvolle Einsatz der neuen Technik vor dem erfolgreichen Unterrichtseinsatz ausgelotet werden.

Annekatrin Bock vom Georg-Eckert-Institut hat eine Rogers sehr ähnliche Klassifikation erarbeitet, allerdings für Schultypen (Bock 2019). Diese stellte sie unter anderem auch auf dem HPI Schul-Cloud-Forum 2019 vor.

Die „Vorsichtig-Digitalen“, die „Begeistert-Digitalen“ und die „Post-Digitalen“ (Bock 2019) lassen sich mühelos auch auf Einzelpersonen übertragen, wie ihr weiter unten sehen könnt. Leicht lassen sich auch die weiter oben angesprochenen Einordnungen von Rogers einfügen. Daher schlagen wir hier ein Gesamtmodell vor.

Für jede der drei Gruppen haben wir spezifische Herausforderungen in der digitalen Welt herausgearbeitet, die wir in vielen Schulbesuchen und Gesprächen immer wieder bestätigt sehen. Wir möchten euch ermutigen, den Blick über den Tellerrand zu wagen – denn für jede Person gibt es bei Interesse Fortbildungsmöglichkeiten, sich dem Thema „Digitalisierung der Schule“ zu nähern. Und: Jede Person kann sich einbringen und etwas beitragen!

Die folgenden Einteilungen sind auf keinen Fall als Schwarz-Weiß-Muster zu verstehen. Es gibt keine bessere oder schlechtere Haltung. Wir möchten euch viel mehr dazu anregen, eure eigene Einstellung zu reflektieren.

Die „Vorsichtig-Digitalen"

„Es muss klappen, sonst benutze ich das nicht.“

Die Gruppe der Vorsichtig-Digitalen zieht viel Sicherheit aus ihren Erfahrungen und Routinen, die sie in vielen Jahren der Berufstätigkeit gesammelt haben. Durch Sozialisation im analogen Schulsystem vertrauen die meisten Mitglieder dieser Gruppe auf analoge Unterrichtsmethoden und -werkzeuge.

Die Motivation, sich mit Digitalem beruflich auseinanderzusetzen, ist dementsprechend wenig vorhanden, da die Notwendigkeit nicht gesehen wird. Daraus folgt fehlende Praxis im Umgang mit technischen Geräten und Werkzeugen, oft auch privat, und eine niedrige Frustrationsgrenze beim Umgang mit neuen Tools.

Unterricht mit digitalen Medien bleibt immer die Ausnahme und ersetzt bekannte Szenarien. Auf die Technik allein verlassen sich „Vorsichtig-Digitale“ nicht: Für den Fall des Falles gibt es immer einen Plan B, um die Kontrolle über den Unterrichtsverlauf zu behalten.

Einige Personen dieser Gruppe haben nur wenig Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten bezüglich digitaler Medien und gehen der Angst vor Kontrollverlust durch Vermeidung aus dem Weg.

Das bringen die „Vorsichtig-Digitalen“ mit:

  • Erfahrungen aus langjähriger Berufspraxis
  • didaktischen Methoden im analogen Unterricht
  • wichtige Routinen im Berufsalltag

So könnt ihr die „Vorsichtig-Digitalen“ unterstützen:

  • individuell begleiten
  • Schritt für Schritt an die HPI Schul-Cloud heranführen
  • Praxisbezug verdeutlichen
  • Microfortbildungen

Die „Begeistert-Digitalen"

„Wo ist der Mehrwert?“

Ähnlich wie die „Vorsichtig-Digitalen“ haben auch die Begeistert-Digitalen eine geringe Frustrationstoleranz, was den Umgang mit digitalen Medien angeht.

Sie bringen dazu großes persönliches Interesse und Gestaltungswillen mit. Diese müssen aus der Sicht der „Begeistert-Digitalen“ allerdings in konkreten praktischen Nutzen umgewandelt werden. Ansonsten fehlt den „Begeistert-Digitalen“ die Kontinuität und der rote Faden. In dieser Gruppe wird oft die Frage nach dem Mehrwert von Werkzeugen und Ansätzen gestellt.

Praktisch verwenden die begeistert-digitalen Lehrkräfte digitale Medien, um Unterrichtsszenarien zu erweitern und an die Werkzeuge anzupassen.

Das bringen die „Begeistert-Digitalen“ mit:

  • Interesse an und Kontakte zu Netzwerken
  • Interesse an Erfahrungsaustausch
  • Praxistipps

So könnt ihr die „Begeistert-Digitalen“ unterstützen:

  • Praxisbezug verdeutlichen
  • Mikrofortbildungen
  • Feedback ermöglichen
  • von Angeboten für selbstorganisiertes Lernen überzeugen

Die „Post-Digitalen"

„Das probiere ich aus.“

„Post-Digitale“ sind in vielerlei Hinsicht ihrer Zeit voraus. Sie probieren unterschiedlichste Tools und Lernsettings aus, testen und verwerfen. Sie haben eine hohe Frustrationstoleranz gegenüber Fehlern und Herausforderungen – was nicht passt, wird ersetzt oder anders gemacht. Lehrkräfte dieser Gruppe benötigen Raum für einen fundierten Praxistransfer, um die gesammelten Inspirationen auch in die Tat umsetzen zu können. Gern geben sie ihre Erfahrungen an interessierte Kolleg*innen weiter.

In ihrem Unterricht setzen sie auf Modifizierung ihres bestehenden Werkzeugkastens und nutzen vor allem die Möglichkeit, Neues zu schaffen.

Allerdings besteht die Gefahr, dass sie sich in den neuen Möglichkeiten verlieren und in einer Art Innovationstunnel verschwinden. Sich dessen bewusst zu sein und auch einmal in andere Richtungen als die gewohnten zu schauen, steuert sehr gut dagegen.

Das bringen die „Post-Digitalen“ mit:

  • Interesse an den neuesten Entwicklungen im technischen/pädagogischen Bereich
  • Praxistipps

So könnt ihr die „Post-Digitalen“ unterstützen:

  • Austausch anregen
  • Feedback ermöglichen
  • Angebote für selbstorganisiertes Lernen schaffen
  • Praxisbezug verdeutlichen

Foto: anne-steffen.de

MINT-EC-Newsletter bestellen

Alle Neuigkeiten auf einen Blick Abonnieren