#Clouderfahrungen

Schulakteur*innen aus dem MINT-EC-Netzwerk berichten, wie es ihnen in der Krise ergeht und wie sie digitalen Unterricht gestalten und erleben.

Die HPI Schul-Cloud: Ein Katalysator auf dem Weg zur neuen Normalität

Sven Verlaat, Lena Winkler, Isabell Bätzner sind Lehrer*innen in der Türkei. Sie berichten, wie ihnen die HPI Schul-Cloud während der Schulschließungen geholfen hat und haben Schüler*innen nach ihrer Meinung zum digitalen Fernunterricht befragt.

Es war Freitag der 20. März, kurz nach dem Auftreten der ersten COVID-19-Fälle in der Türkei, als die Ferienwoche vorgezogen und für die Zeit danach Fernunterricht durch das Ministerium angeordnet wurde. An diesem Tag war bei den Schüler*innen und Kolleg*innen die Sorge um die bevorstehende Zeit förmlich anzusehen. Doch schnell war klar, dass wir die HPI Schul-Cloud, die am Istanbul Erkek Lisesi, noch in den Kinderschuhen steckte, schnell für die gesamte Schule ausgerollt werden müsste. 

Eine digitale Feuertaufe

Nach den Ferien stand dann die Feuertaufe an. Wenn auch mit den ein oder anderen technischen Startschwierigkeit wegen des Serverumzugs durch das HPI begann der digitale Fernunterricht. Die Kollegen*innen probierten sich aus und fanden ihren Unterrichtsstil in der neuen Umgebung.

Auch für die Schüler*innen wurde dies schnell zur Gewohnheit und ein leichtes Gefühl der Normalität kam auf. Eine Schülerin und ein Schüler beschreiben ihre ersten Eindrücke folgendermaßen:

„Ich messe persönlich dem Aspekt viel Bedeutung zu, dass trotz der außergewöhnlichen Corona-Zeiten die Schulatmosphäre wieder geschaffen wird, der Unterricht seinen normalen Lauf nimmt und vor allem die Abiturvorbereitung nicht beeinträchtigt wird.“

“It was much more efficient than I expected. For all that there were some technical issues with the features that the platform offers us such as Etherpad […] it gave us the opportunity to take lessons in a closest manner as if we were at school.”

Interaktivität aus der Ferne

Als deutsche Auslandsschule, die ausschließlich türkische Schüler*innen zum Abitur führt, sind der Erwerb und die Förderung der deutschen Sprache für uns von außerordentlicher Bedeutung. Dementsprechend ist dies auch die größte Sorge gewesen, wie dennoch ein interaktiver und sprachlich anregender Unterricht stattfinden kann.

„Damals war ich der Tatsache gegenüber sehr skeptisch, inwiefern die sprachlichen Fächer, unter anderem das Fach Deutsch, interaktiv weiter unterrichtet werden. Im Deutschunterricht wurde meines Empfindens diese gewöhnliche Interaktivität größtenteils beibehalten. Hierbei haben wir uns häufig die von der HPI Schul-Cloud angebotenen Tools, beispielweise Etherpads für Diskussionen oder NeXboard zur Erstellung von Mind-Maps, zunutze gemacht.“

Der Fokus im Sprachunterricht auf Schreiben statt Sprechen

Der Schüler der elften Klasse beschreibt, wie dieses Problem angegangen wurde. Methoden, die sich in der Vergangenheit bereits bewährt hatten, konnten in die digitale Welt überführt werden. Dadurch dass die HPI Schul-Cloud bereits diverse Tools integriert hatte, ließen sich diese kreativ für die Unterrichtsgestaltung nutzen.

Erkennbar ist allerdings, dass der Schwerpunkt nun stärker im Kompetenzbereich „Schreiben“ als in „Sprechen“ liegt, wie eine Schülerin ihren Englischunterricht der neunten Klasse zusammenfasst:

“These online lessons didn’t make my speaking a lot better. On the other hand, they made my writing better. For balancing we could have made more video-conferences.”

Kreative Fortbildungsansätze

Neben der Implementierung von Video-Konferenzen, haben die Kolleg*innen im Laufe der Zeit kreative Ansätze zur Lösung des Problems gefunden: So sind beispielsweise diverse Erklärvideos, Podcasts und andere audio-(visuelle) Schüler*innenprodukte entstanden.

HPI Schul-Cloud in Verbindung mit externen Lerninhalten

Die HPI Schul-Cloud bietet interessante Möglichkeiten zur Unterrichtsgestaltung, da sie bestehende Online-Ressourcen besser nutzen lassen. So lassen sich beispielsweise im naturwissenschaftlichen Unterricht in die einzelnen Kursthemen Lernmodule, Videos und Animationen so einbetten und anordnen, dass die einerseits von ablenkenden Einflüssen befreit sind und andererseits durch Texte der Lehrer*innen in Zusammenhang zueinander gebracht werden. So stehen Online-Ressourcen nicht mehr als Fragment da, sondern fügen sich in den roten Faden des Unterrichts ein.

Medienkompetenzen für die Zukunft

Neben der Vermittlung der fachlichen Inhalte rückte aber etwas in den Fokus, was oft etwas stiefmütterlich behandelt wurde: Denn ganz nebenher wurden nun neue prozessbezogene Kompetenzen angebahnt, wie es die KMK in der Strategie zur „Bildung in der digitalen Welt“ seit 2016 fordert. Ein Schüler beschreibt seine eigene Feststellung dazu, wie folgt:

„An dieser Stelle ist auch nicht zu vergessen, dass die meisten Schüler, unter anderem ich, mit solchen Aufgabenstellungen digital umgegangen sind und dieses bereits erworbene professionelle Vorgehen künftig im Studium nützlich sein kann.“

Schule „outside the box“ denken

Im Rückblick auf diese außergewöhnlichen Umstände zeigt sich, wie anpassungsfähig die Schule sein kann, wenn bekannte Abläufe plötzlich neu gedacht werden müssen. Ein großes Potential sind hier Kreativität und Engagement der Kolleg*innen und das Vertrauen und die Bereitschaft der Schüler*innen diesen Weg gemeinsam zu gehen. Die HPI Schul-Cloud wirkte hierbei als Katalysator für neue Ideen, da sie durch ihre verschiedenen Tools zum Ausprobieren und Denken outside the box einlädt.

Doch dies war keinesfalls ein gradliniger Prozess, sondern auch Rückschläge gehörten zur Tagesordnung. Mal wollte die Technik nicht, wie sie sollte oder die eigenen Idee waren in der Praxis nicht umsetzbar oder schlicht für das Unterrichtziel nicht geeignet. Auch jetzt sind wir noch lange nicht am Ziel, es gibt noch viel Entwicklungspotential. 

Eine neue Normalität

Während der Corona-Pandemie wurde oft gesagt, dass wir nicht zur Normalität zurückkehren werden, sondern sich eine neue Normalität einstellen werde. Auch für die Schulen sollte dies gelten: Wenn wir alle wieder zusammen im Schulgebäude sind, sollte wir nicht das aufgeben, was wir neues in dieser Zeit dazugewonnen haben, sondern wir müssen jetzt überlegen, wie wir unsere innovativen Unterrichtsformate in den Präsenzunterricht einbinden können.


„Unseren Schüler:innen auch jetzt eine feste, sinnhafte Tagesstruktur zu geben, ist eines unserer wichtigsten Anliegen.“

Marius Berkemeier und Sandra Spaller sind Lehrkräfte aus dem MINT-EC-Netzwerk. Die HPI Schul-Cloud gibt ihren Schüler:innen im Fernunterricht vor allem eine Struktur. Wie das genau klappt und wie sie die Schulschließungen gemeistert haben, verraten sie uns im Interview.

Welche Maßnahmen hat eure Schule anfangs ergriffen?

Vor der Schließung der Schulen haben die HPI Schul-Cloud an unserer Schule einzelne Kolleg:innen mit einzelnen Klassen/Kursen in begrenztem Umfang im Unterricht und auch von zu Hause aus genutzt. Zunächst mussten wir deshalb so schnell wie möglich alle Schüler:innen (ca. 1.000) und alle Lehrer:innen in der HPI Schul-Cloud anmelden.

Gleichzeitig mussten wir auch versuchen, diesen Rollout der HPI Schul-Cloud in der breiten Masse so sanft wie möglich zu gestalten. Dafür erstellte unser Team viele Lernvideos, sowohl für die Schüler:innen, als auch für Lehrer:innen. Die Themen der Lernvideos waren zum Beispiel die einzelnen Schritte der Anmeldung, das Erstellen von Kursen und das Einstellen von Aufgaben (Lehrkräfte) bzw. Abgaben (Schüler:innen) sowie die Erklärung der Feedback-Funktion. Als wir uns am Anfang der Schließungen in der Schule befanden, haben wir ebenfalls Mikrofortbildungen für alle Kolleg:innen angeboten.

Es sind Elterninformationen in Form von E-Mails verschickt worden, auf unserer Homepage wurde vom Verwaltungsteam ein News-Ticker eingerichtet, es wurde ein eigener Bereich in unserer kollegiumsinternen Cloud-Lösung mit Hilfsangeboten und Informationen eingestellt, wir haben zur direkten Kommunikation allen Schüler:innen und Lehrer:innen einen Messenger zur Verfügung gestellt… Alles in allem war das für Gesamt-Kollegium und Schülerschaft in der Breite sicherlich wie der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser.

Wie kann die HPI Schul-Cloud euch jetzt in eurer Tätigkeit als Lehrkraft unterstützen?

Vor allem unterstützt sie unsere Schüler:innen dabei, eine schulähnliche Tagesstruktur beizubehalten. Durch das Stellen von Aufgaben und die Möglichkeit, diese in einem DSGVO-konformen Rahmen zu erarbeiten, ist die Möglichkeit gegeben, ritualisiert weiterzuarbeiten.

Viele Eltern melden uns beispielsweise zurück, dass sie zuhause einen eigenen Stundenplan mit ihren Kindern erstellt haben, der aber flexibel ist. Ein Ausschlafen für die Schüler*innen ist dann auch mal drin, gleichzeitig bleibt der schulische Rahmen aber allen bewusst und klar.

Eine weitere Chance ist sicherlich auch das Üben oder Vertiefen von wirklich selbstbestimmtem Lernen. Das, was wir zu früheren Zeiten in Bereichen wie Struktur, Wochenplan und Kalenderplänen den Schüler:innen immer schon versucht haben, deutlich zu machen, wird in diesen Tagen so essenziell, dass die Schüler:innen so eine Struktur einfach bei sich zuhause schaffen müssen. Daher ist dieses jetzt nicht mehr starre „Schulkorsett“ auch eine echte Chance für alle.

Gibt es sonst noch etwas, das ihr anderen Lehrkräften/Schulakteur:innen sagen möchtet?

Sandra:

Für die Organisation des Arbeitsalltages der Schüler:innen und Lehrer:innen halte ich es für sinnvoll, längere Zeit bei einem Kurs/Thema zu bleiben. Ein häufiges Hin- und Herspringen kostet viel Energie.

Ich arbeite in allen Kursen mit Wochenplänen, das erleichtert meiner Meinung nach insbesondere den Schüler:innen (bzw. Eltern) Arbeit, wenn sie einmal zu Beginn einer Woche alle Aufgaben auf einmal ausdrucken (oder den Kindern anderweitig digital zur Verfügung stellen können) und nicht immer wieder in die HPI Schul-Cloud gehen müssen, nur um Aufgaben bearbeiten zu können. Gerade bei mehreren Kindern und nur einem (oder gar keinem eigenen) Rechner ist das sehr schwierig. Dies setzt allerdings ein selbstorganisiertes Lernen voraus. Wichtig ist dabei meiner Meinung nach, einfach weiterhin für unsere Schüler:innen erreichbar zu sein (ob über einen Messenger, per E-Mail oder über die HPI Schul-Cloud), auch, um sie gegebenenfalls bei der Lernorganisation zu unterstützen.

Ich habe noch einen Hinweis, wie man Bewertungen in der HPI Schul-Cloud für abgegebene Aufgaben organisieren kann: Hilfreich war hierbei ein Wortgerüst, das ich immer wieder kopiert und mit individuellen Rückmeldungen für die einzelnen Schüler:innen ergänzt habe. Auch, wenn das viel Arbeit gemacht hat, war dies doch eine sehr gute Möglichkeit der persönlichen Ansprache und Wertschätzung. So viel Zeit, die Notizen der einzelnen Schüler:innen durchzulesen, nehme ich mir während des Unterrichts nur in ausgesuchten Fällen oder bei der Beurteilung von Portfolios, Klausuren oder anderen größeren Lernprodukten. Ich betrachte es als echte Chance des digitalen Lernens mit der HPI Schul-Cloud, jetzt viel ausführlicher individuelle Rückmeldungen zu den schriftlichen Ausarbeitungen der Schüler*innen geben zu können.

Marius:

Das Wichtigste ist, ein wirklich gutes Team zu etablieren bzw. etabliert zu haben, auf das man sich verlassen kann, und das sich nicht vor Arbeit scheut. Ein Rollout der HPI Schul-Cloud und die danach notwendige Versorgung aller Akteure in der Cloud ist keine Aufgabe, die man im Alleingang „mal eben so“ abarbeitet. Ich kann mich für diesen Einsatz nur nochmals bei meinem Digital-Team-Mitgliedern herzlichst bedanken – diese Aufgabe gemeinsam zu schultern war ein Anspruch, den wir alle hatten und nur so auch erfüllen konnten.

Info

Sandra Spaller spricht gemeinsam mit ihrer Kollegin Lisa Lücking am 12. Juni um 17 Uhr in einer Schulung über den Fernunterricht mit der HPI Schul-Cloud. Alle Termine: blog.schul-cloud.org/webinare


„Wir sind froh, dass wir die HPI Schul-Cloud schon hatten.“

Ulrike Meyer ist Lehrerin an einer MINT-EC-Schule in Istanbul. Die Schule ist eine türkische Schule mit deutscher Abteilung, die sowohl den Erwerb des türkischen Schulabschlusses als auch des Abiturs anbietet. Sie berichtet von der derzeitigen Situation in der Türkei und wie sie die HPI Schul-Cloud im Unterricht verwendet.

Frau Meyer, in Deutschland öffnen die Schulen stufenweise. Wie ist die Situation in der Türkei?

Mitte März wurden die Schulen in der Türkei geschlossen. Eine Ferienwoche wurde von April in den März vorgezogen. Seit dem 23. März findet der Unterricht ausschließlich digital statt. Für türkische Schüler:innen werden über Fernsehprogramme Inhalte auf Türkisch nach türkischen Unterrichtsplänen ausgespielt. Außerdem gibt es für sie auch Übungsaufgaben in einer digitalen Lernumgebung, die auch vor der Pandemie schon verfügbar war. Vor Kurzem wurde entschieden, dass die Schulen in diesem Schuljahr nicht mehr öffnen. Erst im September könnte also vielleicht wieder Präsenzunterricht stattfinden.

Welche Maßnahmen hat Ihre Schule bzgl. der Schließung ergriffen?

Wir unterrichten auch naturwissenschaftliche Fächer auf Deutsch. Das türkische Fernsehprogramm war also ungeeignet. Ich unterrichte beispielsweise Physik und Mathematik auf Deutsch. Es ist für die Schüler:innen, die Deutsch lernen, besonders wichtig, kontinuierlichen Unterricht zu haben, weil das Sprachwissen sonst verloren geht. Deshalb wollten wir möglichst den Stundenplan beibehalten. Wir haben uns für die HPI Schul-Cloud als Lernumgebung entschieden.

Wie haben Sie die HPI Schul-Cloud vor den Schulschließungen genutzt?

Wir haben die HPI Schul-Cloud anfangs nur testweise genutzt. Das WLAN an der Schule hat nicht ausgereicht, die Infrastruktur war noch nicht ausgebaut. Viele Schüler:innen wohnen auch im Internat und haben dort nicht alle Voraussetzungen. Wir wollten immer ein Konzept entwickeln. Corona hat das dann beschleunigt und wir haben den Prozess eingeleitet.

Und wie sah der Prozess aus?

Wir haben in Zusammenarbeit mit der türkischen Schulleitung über einen digitalen Elternbrief die Eltern und Schüler:innen informiert. Und zum Ende der Ferienwoche haben wir die Registrierungen abgeschlossen. Gleichzeitig haben unsere Lehrkräfte an MINT-EC-Schulungen teilgenommen und die Online-Fortbildungen zur HPI Cloud genutzt und sich zusätzlich in Teams ausgetauscht, um ihr Wissen zu teilen.

Wie lief dann die Arbeit mit der HPI Schul-Cloud ab?

Am ersten Tag musste noch improvisiert werden, weil der Server der HPI Schul-Cloud umzog. Dann lief es aber gut. Ich mache Anwesenheitskontrollen, die hier verpflichtend sind, immer über die HPI Schul-Cloud. In den Kursen lege ich Themen an und lade dort beispielsweise Arbeitsblätter oder Erklärungen hoch. Dafür nutze ich auch Videos zur Darstellung von Inhalten in Physik. Da findet man ja Einiges im Internet. Die Schüler:innen erledigen ihre Aufgaben teilweise schriftlich und laden sie als Fotos hoch, andere nehmen auch Audios auf, weil ja besonders auch die Aussprache trainiert werden muss.

In der zweiten Woche der Schulschließung/des Online-Unterrichts habe ich meine Routine etwas geändert und angefangen, auch mit verschiedenen Videokonferenztools zu arbeiten. Ich habe mich dann gefreut, als auch in der HPI Schul-Cloud eine Videosoftware zur Verfügung war. Big Blue Button habe ich sofort freigeschaltet, denn ich bin froh, jetzt ein Tool zu nutzen, was datenschutzkonform ist.

Und wie nutzen Sie Big Blue Button genau?

Ich nutze das Tool für Live-Unterricht, der nicht täglich stattfindet und an dem auch nicht immer alle Schüler:innen teilnehmen können. Ich finde es super, dass man Break Out-Räume für Gruppenarbeiten schon vorher anlegen und dann den Gruppen verschiedene Dateien zur Verfügung stellen kann. Ich nutze Big Blue Button aber auch noch anders: Ich stehe meinen Schüler:innen in den Unterrichtszeiten, und auch zu vereinbarten Sprechzeiten, immer als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Wenn sie bei der Bearbeitung einer Aufgabe Rückfragen haben, kommen sie in den Videoraum und fragen mich einfach. Das ist gut, weil es für die Schüler:innen auch neu ist, so selbstständig zu Hause Inhalte zu erarbeiten und Aufgaben zu bearbeiten.

Haben Sie schon eine Vision für „nach Corona…“?

„Nach Corona“ kann ich mir das sehr gut vorstellen, die HPI Schul-Cloud noch weiter zu nutzen, also auch im Präsenzunterricht oder zur Organisation von Hausaufgaben oder um Mitschriften zum Nacharbeiten zur Verfügung zu stellen.

Gibt es sonst noch etwas, das Sie anderen Lehrkräften/Schulakteuren sagen möchten?

Die HPI Schul-Cloud braucht schon noch Arbeit. Sie ist ein Pilotprojekt, da läuft nicht immer alles glatt. Positiv ist aber: Mir haben ganz viele Kolleg:innen gesagt, dass sie sehr froh waren, Unterricht sofort nach der Schließung online weiter zu machen und dass es eine einheitliche Plattform dafür gibt. Ich habe in der Zeit auf jeden Fall sehr viel Digitales dazugelernt. Für die Sommerferien habe ich mir vorgenommen, noch tiefer einzusteigen und mich zum Beispiel mit Erklärvideos zu beschäftigen.


Die Kollaboration klappt, aber der Treffpunkt im Klassenraum fehlt

Der Schüler Sharan berichtet im Interview, wie er den plötzlichen digitalen Fernunterricht an seiner MINT-EC-Schule erlebt und wie man ihn, zum Beispiel mit der Methode „Flipped Classroom“, noch besser machen könnte.

Sharan, seit ca. 4 Wochen ist deine Schule nun geschlossen. Kannst du berichten, wie du die Zeit erlebt hast?

Ja, der Anfang war tatsächlich ein wenig chaotisch, da es Probleme gab und viele digitale Tools und Plattformen überlastet waren.

Und wie sieht dein Schulalltag jetzt aus? Wie läuft der Unterricht ab?

Da ich ja schon in einer der höheren Klassen bin, kriegen wir am Anfang der Woche genaue Arbeitsaufträge in allen Fächern und bearbeiten die dann eigenverantwortlich. Viele Lehrer:innen möchten zum Ende der Woche hin die Arbeitsaufträge geschickt bekommen, damit sie sehen, was wir verstanden haben, was wir können und wo wir noch Probleme haben und uns gegebenenfalls Feedback geben können.

Videokonferenzen sind an unserer Schule aktuell noch nicht erlaubt, vielleicht ändert sich das ja. Ich bin jedenfalls gespannt!

Was gefällt dir am digitalen Arbeiten? Was nicht?

Ich bin voller Begeisterung für digitale Bildung, aber nicht so in dem Rahmen, wie es aktuell leider notwendig ist. Digitales Arbeiten unterstütze ich voll und ganz, aber der physische Treffpunkt im Klassenraum und die Kommunikation in der Klasse und mit der Lehrkraft dürfen nicht entfallen. Meine Physiklehrerin nutzt zum Beispiel digitale Tools, um trotz der Entfernung gemeinsam zu kollaborieren und zu arbeiten. Das finde ich sehr toll!

Wie kann man jetzt den Prozess der Digitalisierung noch erleichtern?

Man sollte die Schüler:innen nicht mit Material und Tools, mit denen man bisher im Unterricht nicht gearbeitet hat,  zuhäufen. Man sollte nur Tools verwenden, die die Schüler:innen auch kennen. Gezielter Einsatz von digitalen Tools ist das A und O. Einfach nur ein Tool einbauen, damit man es verwendet hat, macht in meinen Augen keinen Sinn. Man sollte es dort einbauen, wo es gewinnbringend und zielführend ist.

Ich bin überzeugt von der Methode Flipped Classroom, die mit Erklärvideos funktioniert. Flipped Classroom kann man nicht nur im normalen Präsenzunterricht machen, sondern auch mit Videokonferenzen. Wie man das jetzt verwenden, wie man Erklärvideos für die Schüler:innen einfach erstellen kann und wie das Ganze in der jetzigen Situation am besten durchzuführen ist, zeige ich in der Schulung nächsten Montag um 17 Uhr mit MINT-EC!

Es ist eine anstrengende und neue Situation für alle Beteiligten, aber wir sollten versuchen, das Beste daraus zu machen. Ich hoffe, dass die Corona-Krise nicht allzu lange dauert und wünsche allen Leser:innen und dem Team der HPI Schul-Cloud alles Gute für die kommende Zeit! Bleibt gesund und haltet den Rachen rein!

Infos:

Sharans und alle weiteren Online-Schulungen von MINT-EC finden sich unter https://blog.schul-cloud.org/webinare/ 

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