Gymnasium Fabritianum, Krefeld Uerdinger Schüler testen virtuelle Experimente im Klassenzimmer

Tamara Erhardt und Matthias Polte konnten mit ihren Leistungskursen am Fabritianum die virtuellen Labore testen. Foto: Andreas Bischof

Die Patientin nimmt im modernen Labor Platz. Ein Schüler des Gymnasiums Fabritianum untersucht sie. Sie hat einen Brustkrebstumor. Eine genetische Untersuchung soll stattfinden, der Tumor genauer betrachtet werden. Was nach einer eindrucksvollen praktischen Erfahrung klingt, kann im Unterricht natürlich nicht real umgesetzt werden – dafür aber virtuell.

„Das virtuelle Labor deckt genau das ab, was im Lehrplan für Genetik vorgesehen ist“, sagt Tamara Erhardt. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Matthias Polte konnte die Biologielehrerin das virtuelle Labor ein halbes Jahr lang im Leistungskurs testen. „Jeder Schüler hatte einen eigenen Account und konnte überall online auf das Programm zugreifen“, sagt Polte.

Alle öffentlichen Schulen in Dänemark nutzen das Programm

Er ist neben seiner Stelle am Fabritianum Fachleiter für Biologie am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung in Krefeld. Dabei beschäftigt er sich intensiv mit den Möglichkeiten, die mit der Digitalisierung von Unterrichtsprozessen einhergehen.

Vor etwa zwei Jahren stieß er auf das Unternehmen Labster aus Dänemark, das virtuelle Labore programmiert und es Schülern und Studenten ermöglicht, komplexe Experimente im Bereich der Molekularbiologie und Genetik praktisch durchzuführen – und so ihr theoretisches Wissen praktisch umzusetzen.

„Das Programm ist bereits an Universitäten wie Harvard und Oxford bekannt“, sagt Polte. In Dänemark habe die Regierung gleich Lizenzen für alle öffentlichen Schulen gekauft. Deutschland sei bisher allerdings noch nicht als Markt erschlossen. „Man sagte mir, Deutschland sei noch uninteressant, weil es an den Schulen kein Internet gebe“, berichtet Polte.

Und so sei das Fabritianum die erste Schule in Deutschland, deren Schüler in den Labster-Laboren unterwegs gewesen seien. 80 Euro habe die Lizenz pro Schüler für das vergangene Schulhalbjahr gekostet. Die hat ein Sponsor übernommen. Die Uni Bielefeld wird als nächstes die wissenschaftliche Auswertung des Projektes vornehmen. Dazu hat Polte an allen Krefelder Schulen Fragebögen in Biologie-Leistungskursen verteilt, um die Klassen am Fabritianum mit den anderen zu vergleichen.

Der subjektive Eindruck ist positiv: „Die Schüler haben die Labore auch außerhalb des Pflichtunterrichts und der Hausaufgaben genutzt“, sagt Erhardt. „Und sie haben sich auch in anderen Laboren umgeschaut, beispielsweise in solchen für den Chemie- oder Physikunterricht.“

Das Programm ist auf Englisch – kein Problem für die Schüler

Dass das Programm komplett auf Englisch ist, habe zunächst Bedenken hervorgerufen, für die Schüler aber kein Problem dargestellt. „Die Fachbegriffe sind denen im Deutschen schon sehr ähnlich und alles, was gesprochen wird, ist auch nochmal langsam nachzulesen“, sagt Erhardt. Selbst in Dänemark werde das Programm nur auf Englisch genutzt, obwohl es auch auf Dänisch verfügbar sei, ergänzt Matthias Polte. „Natürlich damit die Schüler Englisch lernen.“

Der Preis für die Zugangslizenz ist keine Kleinigkeit, aber: „Wir waren auch eine kleine Gruppe“, sagt Polte. Würde man beispielsweise Lizenzen für alle Schulen in Krefeld erwerben, sähe der Preis sicher anders aus. Und Bücher und Arbeitsblätter kosteten schließlich auch Geld.

Die Schüler am Gymnasium Fabritianum hatten außerdem einen Internetzugang und einen Klassensatz Laptops zur Verfügung – das ist bislang alles andere als Standard. Ebenso wie die großen Monitore am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung im Schönwasserhaus, auf denen Polte Referendaren die virtuellen Labore vorgestellt hat. „Paradiesische Bedingungen“, gibt er zu. „Manch einer meinte, er könne in der Schule ja gar nichts damit anfangen.“

Denn die Digitalisierung an den Krefelder Schulen steckt noch nahezu in den Kinderschuhen. Dennoch ist es Matthias Polte wichtig, bereits jetzt über solche Möglichkeiten nachzudenken und auch Lehrer und Referendare schon damit vertraut zu machen – damit die digitalen Möglichkeiten an den Schulen wirklich genutzt werden können, sobald sie einmal vorhanden sind.

Von Stefanie Keisers

Redakteurin

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