Ernst-Sigle-Gymnasium, Kornwestheim Die Forscher von morgen präsentieren sich

Preisträger:innen und Jury der Sciencefair 2024 (Foto: Stefanie Bertsch)

Ein wenig sieht es in der Aula des Ernst-Sigle-Gymnasiums aus wie auf einer „großen“ Fachmesse. An vielerlei Ausstellungsständen mit Nummern werden Produkte präsentiert, das Personal am Stand beantwortet Fragen zu den Exponaten, und ein interessiertes Fachpublikum macht sich ein Bild über das Angebot. Wieder einmal zahlt sich aus, dass die Schule einer der wenigen Neubauten nach dem Zweiten Weltkrieg in Baden-Württemberg war, den man noch mit einer großen Aula projektiert hatte. Die 26 Stände finden problemlos Platz, die Gänge zwischen den Ständen sind breit genug für einen Rundgang – und es gibt sogar einige Tische mit Getränke- und Snackangeboten an der Seite.

Für Eduard Kramer, Schüler der 8. Klasse des Ernst-Sigle-Gymnasiums, ist seine Präsentation der „Newton-Fraktale in Scratch“ in der Aula ein echtes Heimspiel. Einfach ausgedrückt, kann er auf seinem Laptop beim Hereinzoomen in die bunten Bilder auf dem Bildschirm im Anschluss immer wieder die gleichen Bilder generieren. Fachkundig erklärt er die Merkmale der Funktionen, die die theoretisch-mathematische Basis für die farbenfrohen Kreationen bilden. Da muss manch Zuhörer sich schon konzentrieren, um den von Eduard wie selbstverständlich vorgetragenen Ausführungen zu folgen.

Die „Smart Sandwich Machine“ von Raghav Srirangam Srikanthan, Schüler der 8. Klasse am Königin-Olga-Stift-Gymnasium in Stuttgart-West, ein paar Meter weiter ist da im Vergleich fast selbsterklärend und bietet Entspannung fürs Gehirn – auch wenn sie eine faszinierende Erfindung ist. Sandwich-Brotscheiben verlassen gebräunt den Toaster, werden anschließend über ein kleines Fließband geleitet und erhalten schließlich noch aus einer umfunktionierten Ketchup-Flasche ihren süßen Aufstrich aus Konfitüre, ganz ohne dass jemand klebrige Hände bekommt.

Finja Tessmer, Schülerin der it.Schule in Stuttgart, und ihre Freundin Emilia Peter aus der 10. Klasse des Ernst-Sigle-Gymnasiums, haben sich ebenfalls ein großes Thema vorgenommen. „Sign Detection mit ML“ ist der Titel ihres Projekt. Dieses bietet anhand bestimmter Punkte am Körper gehörloser Menschen die Möglichkeit, deren Zeichensprache direkt in geschriebene Sätze umzuwandeln, ohne dass man dazu zusätzlich noch einen Gebärdensprachen-Dolmetscher braucht.

Unter anderem wegen der Science Fair hat das Ernst-Sigle-Gymnasium die Weiterzertifizierung für die Mitgliedschaft im Schulnetzwerk MINT-EC erhalten. Abteilungsleiterin Stefanie Bertsch strahlt vor Stolz, als sie sagt: „Wir wurden sogar gleich für sechs Jahre zertifiziert, anstelle der sonst

üblichen fünf Jahre.“ Im Netzwerk seien 300 ausgewählte Gymnasien aus ganz Deutschland vertreten, „damit gehören wir also zur ersten Liga MINT-orientierter Gymnasien in der Bundesrepublik.“ Neben der bundesweiten Vernetzung haben sich aber auch fachbezogene Verbindungen in die Landeshauptstadt ergeben. „Wir arbeiten zum Beispiel eng mit dem Eschbach-Gymnasium in Stuttgart-Freiberg und dem Königin-Olga-Stift-Gymnasium in Stuttgart-West zusammen“, so Bertsch.

Was die Science Fair angeht, haben die Vorbereitungen bereits im Herbst begonnen, wie Stefanie Bertsch und Benjamin Schmidt, der Ansprechpartner für die Science Fair, berichten. Dabei kommt den Fachlehrern eine wichtige Funktion zu. „Ohne deren Zuspruch würden sich die Schüler wohl nicht anmelden“, sagt Schmidt. Auch wenn die Schüler selbst entscheiden, an welchem Projekt sie arbeiten wollen, stehen die Lehrer stets mit Rat und Tat zur Seite – und zwar zusätzlich zu ihren sonstigen Unterrichtsaufgaben. „Da kommt schon einiges an Extra-Zeit zusammen“, so der Pädagoge. Bis zum 1. März konnten sich die Kandidaten auf der Schul-Homepage anmelden. „So viele Anmeldungen wie 2024 hatten wir noch nie“, so Schmidt.

26 Schülerinnen und Schüler waren dieses Mal mit von der Partie. Die jährlich stattfindende Veranstaltung hat sich inzwischen in der ganzen Region herumgesprochen. Neben den bereits erwähnten Schulen haben auch das Ferdinand-Porsche-Gymnasium in Stuttgart-Zuffenhausen, das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach und das Otto-Hahn-Gymnasium in Böblingen Schüler und betreuende Fachlehrer nach Kornwestheim entsandt.

Die Jury besteht aus elf fachkundigen Juroren, die die 26 Beiträge in zwei Gruppen zu jeweils 13 Projekten beurteilen. Deshalb gibt es jeweils zwei erste Preise (100 Euro), zweite Preise (drahtlose Kopfhörer) und 3. Preise (Gutschein für einen Exit Room) sowie Sonderpreise. Erste Preise erhalten Finja Tessmer und Emilia Peter für den sozialen Nutzen ihres Projektes. Den zweiten ersten Preis bekommt Luca Finger vom Friedrich-Schiller-Gymnasium Marbach mit der „Auswirkung von Dünger auf Protisten“, unter anderem wegen der Qualität der Präsentation. Sonderpreise bekommen unter anderem Eduard für sein mathematisches Projekt „Newton-Fraktale“ und Raghav für seinen „Sandwich Maker“ und die perfekten Schritte einer Produktentwicklung.

Jurymitglied Peter Drehmann, langjähriger Rektor am Ernst-Sigle-Gymnasium, ist stolz die Leistungen der Jugendlichen. Und Stefanie Bertsch blickt in die Zukunft, als sie sagt: „Angesichts der hohen Qualität der Beiträge können wir jetzt im Herbst in Richtung ‚Jugend forscht’ weiterdenken“.

Sabine Baumert

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