Karolinen-Gymnasium Rosenheim, Rosenheim CAR-T-Zellen: Vom Labor in die Klinik – Hype oder Hoffnung?

Vor dieser Videokonferenz sollten wir uns schon etwas über das Thema informieren und hatten bereits ein Online-Treffen mit Dr. Hamberger und Frau Gschirr; auch deswegen waren die wissenschaftlichen Erklärungen von Frau Dr. Blumenberg gut verständlich für uns.

Zu Beginn des Vortrags erfuhren wir dann ausführlich, was genau bei der Behandlung gemacht wird:

Vereinfacht gesagt, werden bestimmte weiße Blutkörperchen, die sogenannten T-Zellen, aus dem Körper des Patienten entnommen und im Labor zu CAR-T-Zellen umgebaut. Dabei bekommen sie unter anderem einen neuen Rezeptor (sie bestehen nun also aus einer T-Helferzelle und einem Antikörper), mit dem sie bestimmte Krebszellen erkennen und bekämpfen können. Außerdem dienen sie als Nachschub für die ,,erschöpften“ körpereigenen T-Zellen und können diese wieder ,,fit“ für die Tumorbekämpfung machen. Solche nützlichen Zellen kann der Körper nicht selbst herstellen.

Nachdem die CAR-T-Zellen im Labor herangezüchtet wurden, spritzt man sie wieder in den Körper des Patienten, wo sie dann ihre Aufgaben erfüllen.

Diese Art der Krebstherapie wurde 2018 - nach 30 Jahren Forschung - in der EU zugelassen.

Aber gegen welche Krebsarten können CAR-T-Zellen überhaupt eingesetzt werden? Wie sehen die Überlebenschancen aus? Was sind Nebenwirkungen und wie geht es den Patienten nach der Behandlung? All diese Fragen sind ja für die Praxis wichtig, und sie wurden von unserer Referentin sehr ausführlich und gut verständlich beantwortet.

Zuerst bekamen wir ein paar Videos von Patienten zu sehen, die mit CAR-T-Zellen behandelt wurden oder werden. Alle Patienten, die mit dieser neuen Form der Therapie behandelt werden, haben schon alle weiteren Therapieformen zur Bekämpfung ihres Krebses hinter sich und gelten grundsätzlich als austherapiert. Für sie ist es also die letzte Hoffnung, weshalb sie über die neue Behandlungsmöglichkeit sehr froh waren bzw. sind. Neben bereits therapierten Patienten kamen auch Patienten zu Wort, welche zum Zeitpunkt der Filmaufnahmen im Krankenhaus lagen. Zusätzlich sahen wir auch Videos von Patienten, die bereits vor Jahren Krebs gehabt hatten und sich erfolgreich mit CAR-T-Zellen therapieren ließen.

Doch wie bei fast allem, was medizinisch wirksam ist, kann es bei der Therapie mit CAR-T-Zellen auch Nebenwirkungen geben. Unter anderem verschlechtert sich manchmal im Anschluss an die Behandlung das Schriftbild der Patienten drastisch, wie wir auf zu unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommenen Bildern sehen konnten. Auch haben manche Patienten Wortfindungsstörungen oder andere neurologische Ausfallserscheinungen nach der Behandlung. Diese sind aber in den meisten Fällen gut behandelbar und vollständig rückläufig.

Woher diese Nebenwirkungen genau kommen, wird noch erforscht. Unter anderem können die CAR-T-Zellen auch körpereigene Zellen angreifen, was zum Teil diese Nebenwirkungen erklären würde.

Ein weiterer Nachteil der CAR-T-Zellen ist, dass sie bisher nur bei Leukämie und Lymphomen eingesetzt werden. (Zur Begriffsklärung: Leukämie ist Blutkrebs, Lymphome sind Krebserkrankungen des Lymphsystems. Das Lymphsystem ist eine Art Versorgungssystem für die Immunzellen, das auch einige kleinere Organe beinhaltet.) Klar, die CAR-T-Zellen treiben ja im Blut- oder eben im Lymphsystem und können schlecht nur auf einen einzigen Tumor angesetzt werden.

Nach dem Einblick in die Funktionsweise und die Nebenwirkungen der Therapie bekamen wir einige Graphiken zum Erfolg der Behandlung, darunter auch einige Vergleiche mit den Erfolgschancen einer Chemotherapie, zu sehen. Man konnte gut erkennen, dass vergleichsweise mehr Patienten auf die CAR-T-Zell-Therapie ansprechen und unter diesen auch die Überlebensrate höher ist. Wie bei der Chemo gibt es die meisten Todesfälle in den ersten Wochen, wenn noch nicht ganz klar ist, ob der Patient auf die Therapie anspricht oder nicht.

Der letzte Aspekt, den der Vortrag beleuchtete, waren die Kosten der Behandlung. Während eine Chemotherapie „nur“ um die 20 000 € kostet, muss man für eine CAR-T-Zell-Therapie aktuell noch rund 300 000 € bezahlen. Der Preis, welchen die Krankenkassen übernehmen, ist natürlich dem hohen Forschungs- und Entwicklungsaufwand sowie der Tatsache geschuldet, dass diese Methode in der klinischen Wissenschaft noch sehr jung ist. Da die technischen Voraussetzungen und die nötige Infrastruktur nun aber weiter geschaffen und ausgebaut werden können, sollten die Kosten in den nächsten Jahrzehnten sinken.

Im Anschluss an den Vortrag hatten wir die Möglichkeit, Frau Dr. Blumenberg Fragen zu stellen. Eigentlich sollte die Videokonferenz rund eine Stunde dauern, aber die Menge an Fragen war so groß, dass wir noch eine Weile länger „zusammensaßen“. Dabei kamen Fragen zum aktuellen Stand der Forschung und zum klinischen Alltag, aber auch zu Frau Dr. Blumenbergs Studien- und Berufsweg auf. Insgesamt verbrachten wir fast eine weitere Stunde mit den Fragen; etwas anderes kann man bei einem so guten Thema aber auch nicht erwarten.

Der Vortrag war sehr gut und zeigte neutral die Vorteile und Nachteile einer Behandlung mit CAR-T-Zellen auf, und auch die Fragerunde danach war sehr informativ. Für uns war es also ein rundum gelungener Abend und ich hoffe, dass auch die KAROPLUS-Teilnehmer nach mir an solch interessanten Modulen teilnehmen können.

 Thomas Schletter, 9a

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