Nicolaus-Cusanus-Gymnasium, Bonn Lernen, wo andere Urlaub machen - die meeresbiologische Studienfahrt nach Ligurien

Stephanie Kunze

Sonntagabend 20 Uhr. „Tatort“-Zeit. Doch am 7. Oktober 2018 fällt er aus. Zumindest für viele Schüler und Schülerinnen der Q2 des Nicolaus-Cusanus-Gymnasium. Denn mehr und mehr kommen zur Schule. Trotz Sonntag. Viele in Begleitung ihrer Eltern, alle mit Gepäck. Die meeresbiologische Studienfahrt steht bevor. Eine aufregende Sache für Schüler*innen, aber auch für die begleitenden Lehrer*innen: Frau Gimbel, Frau Kunze und Herr Meyke. Denn es gibt nichts, was es nicht gibt.

Zum ersten Mal wird das Lehrkäfte-Team bereits um 21.20 Uhr unruhig. Der für 21.00 Uhr bestellte Bus ist noch nicht eingetroffen. Erste Telefonate folgen. Die Handynummer des Busfahrers ist falsch. Also, Anruf in der Zentrale des Busunternehmens. Auskunft: Der Bus verspätet sich. Das merken alle. Als er dann endlich kommt, die nächste Überraschung. Statt eines geräumigen Reisebusses für die Nachtfahrt nach Ligurien kommt ein knapp bemessenes, unkomfortables Vehikel. „Passen wir da alle rein?!“ fragen sich die begleitenden Lehrkräfte. Bei näherer Betrachtung ist sogar schon ein „ungewöhnlicher“ Passagier an Bord. Der Hund des Busfahrers thront neben dem Lenkrad. Die nächste Hürde muss genommen werden. Keine Studienfahrt mit Hund. Schließlich gibt es eine Reihe Hundehaarallergiker unter den Teilnehmer*innne. Nach geleisteter Überzeugungsarbeit wird der Hund wieder nach Hause gefahren. Nach Köln. Falsche Richtung. Und so starteten 52 Schüler und Schülerinnen des Bio- und Englisch-LKs mit zwei Stunden Verspätung Richtung Süden.

Eine lange Fahrt! Gegen Mittag kommt die Reisegesellschaft am Hotel in Cavi di Lavagna an. Das Wetter entschädigt für alle bisherigen Unannehmlichkeiten. Wunderbares Sommerwetter. Und der Strand ist direkt auf der anderen Straßenseite des Hotels. Nachdem die Zimmer bezogen sind, gibt es Gelegenheit and den Strand zu gehen oder sich bei einer kleinen Wanderung nach Sestri Levante die Beine zu vertreten. Zwei Schülerinnen folgen Frau Gimbel und Frau Kunze auf die Wanderung entlang der malerischen Steilküste und vorbei an der pittoresken Kirchenruine St. Anna. Die 50 anderen gehen mit Herrn Meyke an den Strand zum Baden und Ballspielen.

Abends gibt es ein Drei-Gänge-Essen im Hotel. Für den einen oder die andere wird die abendliche Pasta des ersten Gangs noch eine Herausforderung werden... Eine größere Umstellung ist für viele das italienische Frühstück, das im Hotel laut Italienexpertin Frau Gimbel fürstlich ausfällt. Der italienische Geschmack ist morgens süß und für deutsche Verhältnisse eher spartanisch. Den Wurstaufschnitt sucht man (Mann) vergebens.

Am ersten Programmtag steht die mediterrane Flora auf der Agenda. Mit dem Reisebus geht es nach Sestri Levante. Dort wird die Gruppe von zwei Führerinnen in Empfang genommen und in die Altstadt gelotst. Dann geht es auf den Monte Castello entlang von Olivenhainen. An geeigneten Stellen erhält die Gruppe eine Einführung in die mediterrane Flora. Wer denkt, dass es in der Mittelmeerregion weniger regnet als in Deutschland, liegt falsch. Es gibt in dieser Region sogar mehr Niederschlag als zu Hause. Er ist nur anders verteilt. Und so müssen die Pflanzen dieser Zone mit sehr wenig Wasser in den Sommermonaten auskommen. Dazu gibt es verschiedene Anpassungen wie z.B. verdickte Blattstrukturen und feine Härchen auf der Blattoberfläche als Transpirationsschutz. Typische Pflanzen der Region sind Myrte, Baumheide, Stech- und Steineiche, Ginster und besonders auffällig der Erdbeerbaum, dessen Früchte sogar probiert werden dürfen. Nach der Einführung geht es selbst ans Werk! In Gruppen kartieren die Jungbotaniker*innen selber ein abgestecktes Areal und dokumentieren die dort vorkommenden Pflanzenarten sowie ihre Häufigkeit. Alltagsgeschäft für Biologen. Das Ganze ist garniert mit einer wahnsinnig schönen Aussicht auf die Küste des Golfs Tigullio mit der Halbinsel Portobello, auf der sich die Altstadt von Sestri Levante befindet.

Am Nachmittag geht es auf eine Panoramafahrt entlang der Ligurischen Küste. Auf der Strecke liegen Orte wie das historisch bedeutsame Rapallo. Ziel ist Camogli, ein kleiner Fischerort. Typisch für das Dörfchen sind die verschieden bemalten Boote und die farbigen, sehr hohen Häuser an der Küstenpromenade. Die unterschiedlichen Farben und die hellen Querlinien dienten früher den Fischern, um das eigene Zuhause schon von weitem gut sehen zu können. Immer wieder wurden die Häuser aufgestockt und so mit einem zusätzlichen Zimmer erweitert, wenn Kinder geboren wurden. Das erklärt die grandiose Höhe dieser Bauwerke.

Am nächsten Programmtag heißt es „Kopf unter Wasser!“. Die Gruppe fährt mit dem Bus nach Santa Margharita Ligure. Die Tauchstation, an der wir uns mit dem Team von Dr. Mancuso von der Uni Mailand treffen, liegt im malerischen Castello de Santa. Hier werden wir mit Neoprenanzügen, Flossen und Schnorchel ausgerüstet. Mit zwei Booten geht es raus aufs Meer in die Bucht vor der historischen Abtei San Fruttuoso. Sie gehört zu einem Nationalpark, einem Naturschutzgebiet. Hier erwarten die Taucher*innen mehrere Highlights: Die Gegend ist bekannt für Zackenbarsche und Gorgonien. Aber auch eine Christusstatue wurde 1954 in dieser Bucht versenkt und kann beim Tauchen oder Schnorcheln bestaunt werden. Hier kann man das Ökosystem Meer mit seiner ganzen Fauna und Flora live studieren. So bekommt die Studiengruppe einen Einblick in den Aufbau des küstennahen Meeresbodens. Steil stürzen die scharfkantigen Felsen auf der Halbinsel unter der Wasseroberfläche zum Meeresgrund ab. Gelbe Krustenanemonen überziehen riesige Felsbrocken und in größerer Tiefe haben sich leuchtend rote Korallen an den Felswänden angesiedelt. Mit weit geöffneten Mäulern beobachten große Muränen aus dunklen Felsspalten das Geschehen und silbrig glänzende Makrelen ziehen in Schwärmen vorbei. Der Meeresboden ist von Neptungras (Posidonia oceanica) bewachsen. An Land erklärt das Team von Dr. Mancuso die einzelnen Bewohner des Meeres. Und natürlich alles in der Wissenschaftssprache Englisch.

Die Küste bei Santa Margharita Ligure lädt noch zu einem Spaziergang nach Portofina, dem mondänen und stets gut besuchten Touristenort, ein.

Am letzten Programmtag steht Genua an. Als Programmpunkte gibt es eine Führung durch das Acquoario di Genova im Porto Antico sowie einen Bestimmungs-Workshop zu Meereslebewesen. Direkt bei der Ankunft fällt der Blick auf das Schiff von Christoph Kolumbus im alten Hafen neben dem Aquarium. Im Aquarium selbst beeindrucken die riesigen Wassertanks, in denen spektakuläre Meeresbewohner wie Haie, Delphine und Rochen uns ganz nah kommen. In der einstündigen Führung auf Englisch durch das größte Aquarium Europas erhalten alle Beteiligte zahlreiche zusätzliche Informationen zum Ökosystem Mittelmeer und können das am vorherigen Tage gelernte noch einmal vertiefen. Im Workshop werden die Schüler und Schülerinnen mit teils lebenden, teils unbelebten Exoskeletten oder Kalkschalen, verschiedener Meerestiere konfrontiert. Mit Hilfe eines Bestimmungsschlüssels müssen sie erschließen, um welche Tiere es sich handelt.

Im Anschluss haben die Schülerinnen und Schüler wirklich Freizeit verdient. Leider regnete es am Nachmittag … Genua hat mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten eine Menge zu bieten. Für diesen kurzen Besuch sind die Via Garibaldi mit ihren Palzzi, die Piazza De Ferrari und natürlich die Kathedrale San Lorenzo (Baubeginn um 1100) unbedingt zu empfehlen.

Und so schnell geht eine Woche vorbei. Freitagmorgen heißt es Abschied nehmen von Dolce Vita und Ligurien. Die lange Rückfahrt geht los. Endlich zu Hause angekommen, warten schon die Herbstferien auf Schüler*innen sowie Lehrer*innen.

 

S. Kunze, C. Gimbel, T. Meyke

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