Goerdeler Gymnasium, Paderborn "Künstliche Intelligenz - Zukunft oder nur ein Hype?" Meine Teilnahme an den Lernferien NRW

Peter Farke

Da ich das Glück hatte, in diesem Frühjahr an den Lernferien teilnehmen zu dürfen, möchte ich meine Erlebnisse hier kurz schildern. Wir hatten die Auswahl zwischen den Themen „Künstliche Intelligenz“ (KI) und „Methodik“. Ich entschied mich für das Thema KI, da ich mich auch privat etwas mit diesem Thema beschäftigt habe, aber gern mehr darüber erfahren wollte.                     

(Definition KI: Als KI ist ein Algorithmus definiert, der selbstständig lernt um unbekannte Aufgaben lösen zu können. Hierbei wird zwischen „starken“ und „schwachen“ KIs unterschieden: erstere können sich selber weiterentwickeln und so theoretisch die Intelligenz eines Menschen übertreffen. Letztere sind weit weniger intelligent und zudem auf eine einzige Aufgabe spezialisiert, wie z.B.  Spracherkennung. Zur Zeit handelt es sich bei allen KIs um schwache KIs, die nicht annähernd so intelligent wie Menschen sind [KIs=Plural von KI]). Doch warum sollte man einer KI vertrauen? Und wichtiger, wie funktioniert so etwas überhaupt? Und gibt es überhaupt einen Nutzen für solch „dumme“ Systeme?

Um also diese und viele weitere spannende Fragen zu klären, trafen wir uns in der Jugendherberge Dortmund, um uns fünf Tage lang intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen. 

Damit sich die Gruppe aus 23 Personen besser kennen lernen konnte, hatten wir zu Beginn die Gelegenheit, erste Kontakte zu knüpfen. In einer offenen Kennlernrunde wurden schnell erste Erfahrungen gemacht und Interessen ausgetauscht. Danach wurde uns eine Aufgabe gestellt: wir sollten versuchen, unsere Ergebnisse am Ende der Woche zu präsentieren. Um uns hier seine Hilfestellung zu geben, haben die Leiter ein Online Journal erstellt, in welches jeder Kursteilnehmer seine eigenen Erfahrungen für die Gruppe zugänglich machen konnte. Am Ende des Tages stand ein Besuch eines Escape-Rooms auf dem Programm. Hier war es besonders wichtig, logisch zu kombinieren und vor allem mit den anderen Teilnehmern zusammen zu arbeiten, um die verschiedenen Rätsel (z.B. Zahlencodes herausfinden) effizient lösen zu können.

Am dritten Tag besuchten wir die Dauerausstellung im Heinz-Nixdorf-Museumsforum in Paderborn. Bei einer Führung durch das Museum wurde uns schnell klar, dass KI unser Leben in der Zukunft deutlich verändern kann. Anschließend sollten wir unsere Erfahrungen diskutieren, um mögliche Einsatzgebiete von KI  im Alltag zu finden. Nachmittags besuchten wir die Universität Paderborn, wo wir an einem Workshop zum Thema autonome Roboter teilnahmen. Wir hatten die Gelegenheit, ein eigenes Programm zu schreiben, mit dessen Hilfe der Roboter in der Lage war, eigenständig Hindernissen auszuweichen. Dazu konnten wir eine Simulation benutzen, es bestand aber auch die Möglichkeit, auf die Daten eines realen Roboters in Echtzeit zuzugreifen.

Am darauffolgenden Tag haben wir zuerst einen Vortrag über KI in der Arbeitswelt gehört. Wir erfuhren, dass KI und insbesondere Robotik heute schon weite Teile der Arbeitswelt verändert haben. Zum Beispiel  werden insbesondere in der Autoproduktion Roboter eingesetzt, weil die billiger, schneller und effizienter als „echte Menschen“  sind. Jedoch fallen auch andere Tätigkeiten in den immer größer werdenden Kompetenzbereich der KI: wurden früher noch eine große Zahl an Arbeitern benötigt, um die Adressen auf Briefen zu erkennen, erkennen eigens dafür geschulte KIs heute bis zu 80% der Buchstaben. Jedoch seien KI-gestützte Produktionen noch nicht in mittelständischen Unternehmen vertreten, weil das Risiko eines Bankrotts bei einer Fehlfunktion einfach zu hoch sei. Im Anschluss an den Vortrag hatten wir die Möglichkeit, unsere eigenen Ideen mithilfe eines Legobaukastens darzustellen.

Damit hatte sich die anfängliche These zum Teil bestätigt: schon jetzt verändern KIs das Arbeitsleben enorm. Später stand ein Besuch des Fraunhofer Institutes auf dem Programm. Hier wurde uns sehr anschaulich der aktuelle technische Entwicklungsstand der Hardware, also den Teilen einer KI, welche ihren „Körper“ bilden könnten, gezeigt. Für mich war es besonders faszinierend zu sehen, mit welcher Kompetenz  die Technik weiterentwickelt wird: neben „einfachen“ Programmen, die das Packen von Paletten effizienter und schneller machen, werden dort verkaufsfertige Lagersysteme entwickelt. Wir konnten außerdem einen Einblick in moderne Systeme bekommen, welche zwar größtenteils experimentell sind, aber durchaus einiges an Potenzial haben. Z.B gab es einen autonomen Drohnen-Schwarm, welcher Menschen selbstständig ausweichen konnte. Am Abend erwartete uns als besonderer Programmpunkt ein Improvisationstheater: hier galt es in möglichst kurzer Zeit -ohne Requisiten- eine vorgegebene Situation darzustellen. Wie es sich herausstellte, war die dabei entstehende Situationskomik so lustig, dass die ganze Gruppe einen starken Zusammenhalt entwickelte. Das gemeinschaftliche Erlebnis stand also im Vordergrund und machte allen viel Spaß.

Am vorletzten Tag erwartete uns ein weiteres Highlight: wir hörten einen Vortrag über Social Bots, bei dem wir erfuhren, dass die Benutzer von Onlineforen keines Falls nur echte Menschen sind, sondern künstliche Profile von Algorithmen heute bereits ca.10% aller Profile in sozialen Netzwerken ausmachen. Uns wurde eindrucksvoll dargestellt, wie Social Bots wichtige regionale, aber auch weit größere Wahlen beeinflussen können: ein vorgestellter Social Bot hat in nur vier Wochen über 10.000 Tweets weitergeleitet, alle mit politischem Inhalt aus einem bestimmten Milieu. Erschreckend war auch zu sehen, dass über 5000 Menschen regelmäßig die Tweets dieses Bots lasen, ihm also als einer verlässlichen Nachrichtenquelle vertrauten. Uns wurde klar, dass KIs nicht nur Vorteile bringen, sondern auch missbraucht werden. Durch sie werden die bereits bestehenden Botnetze um ein Vielfaches effektiver. Mit den gewonnenen Erkenntnissen durften wir anschließend mit eigens eingeladenen Regionalpolitikern über das Thema „KIs in der Politik“ diskutieren. Es entstand ein sehr anregender, gegenseitiger Diskurs, da fast alle Teilnehmenden über das Thema gut informiert waren. Wir diskutierten über den Einsatz von KIs im Wahlkampf, aber auch über etwaige Verbote und regulierende Gesetzte im Bereich der Ethik. Dabei wurden schnell die Einstellungen der Politiker deutlich: während die Einen KIs unbedingt unterstützen wollen, kämpfen Andere mit dem eigenen Verständnis und damit, wie man Jeden an der Digitalisierung teilhaben lassen kann. Nach der Diskussion hatten wir noch Zeit, uns persönlich mit den Politiken zu unterhalten.

An unserem letzten Tag wurden die finalen Ergebnisse der Woche präsentiert: in Form von Folien, Theaterszenen oder interaktiven Geschichten wurde uns klar, wie viel wir in dieser Woche eigentlich gelernt haben. Ich persönlich habe vieles über KI erfahren, was sonst sehr zeitaufwendig zu recherchieren wäre. Jedoch ist mir wieder einmal sehr bewusst geworden, dass man durch Bildung sehr große Chancen hat, in dieser Gesellschaft selbstbestimmt zu leben. Außerdem konnte ich Erfahrungen sammeln, die nur in einer solchen Gruppe möglich sind: dadurch, dass alle Teilnehmenden im Bezug auf fachliche Kompetenz auf einem hohen Niveau waren, entstanden auch in der Freizeit sehr interessante und anregende Diskussionen über ein weites Themenspektrum. Ebenso war der Zusammenhalt und Teamgeist innerhalb der Gruppe sehr ausgeprägt. Insgesamt würde ich sagen, dass es sich gelohnt hat, eine Woche meiner Ferien dem Lernen zu „opfern“, weil es etwas Besonderes war, an diesem Angebot teilzunehmen. Deshalb gilt mein Dank besonders den Personen, die mir dies ermöglicht haben.

Weitere Informationen zu diesem Projekt unter www.lernferien-nrw.de

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