MINT-EC Kostenlose Fortbildungen: Lehren und Lernen in der Digitalen Welt

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H5P, Kahoot und Virtual Reality – Mina Ghomi bringt digitale Trends ins Klassenzimmer. Diese Tools und digitalen Hilfsmittel nutzen Lehrkräfte von mehreren MINT-EC-Schulen jetzt im Unterricht. Weitere Fortbildungen finden nach den Sommerferien statt.

Stimmengewirr, die Fußgängerzone der Weimarer Altstadt ist voll mit Menschen. Einige bleiben stehen, zücken ihr Smartphone, schauen sich neugierig um, oder sie eilen vorüber, bepackt mit Einkaufstaschen, ohne Notiz zu nehmen von dem Mann, der direkt vor dem Nationaltheater steht und erzählt.

Dieser spricht nicht etwa mit den vorbeilaufenden Passanten, sondern zu einer einzelnen Lehrerin, die ihm gegenüber mitten auf dem Platz steht. Die Zuhörende lauscht aufmerksam der Entstehungsgeschichte und der Gründung des Hoftheaters im Jahr 1791, blickt nach links und rechts, schaut auf das Goethe-Schiller-Denkmal. Dann nimmt sie die Brille ab und befindet sich wieder im Klassenzimmer einer MINT-EC-Schule, als Teilnehmerin einer Fortbildung zum Umgang mit digitalen Medien. Wie das möglich ist? Die Lehrerin war in einer virtuellen Realität, kurz VR, in einer Welt in die jeder eintauchen, sich umschauen und dort Dinge entdecken kann – mit Hilfe einer speziellen Brille auf dem Kopf und Lautsprechern im Ohr.

Lehrkräfte testen digitale Werkzeuge in der Praxis

VR ist eines von mehreren digitalen Hilfsmitteln, das die Teilnehmenden in den insgesamt vier Fortbildungsveranstaltungen in Worms, Kerpen, Wiesbaden, Meppen oder Darmstadt ausprobieren, auf den Einsatz im Unterricht testen und kritisch hinterfragen. Die Fortbildungsreihe findet im Rahmen des Pilotprojektes „HPI Schul-Cloud“ an fünf Schulen aus dem nationalen Excellence-Schulnetzwerk MINT-EC statt. Alle sind Pilotschulen des Pilotprojektes HPI Schul-Cloud.

Seminarleiterin Mina Ghomi, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Humboldt-Universität zu Berlin sagt: „Es gibt sehr viele digitale Werkzeuge, die man didaktisch sinnvoll im Unterricht einsetzen kann.“ Damit meint sie Tools, die für jeden frei verfügbar im Internet zu finden sind. Einige Open-Source-Softwares wie Etherpad und LibreOffice sind in die HPI Schul-Cloud integriert. Aber auch Lehrkräfte, die keinen Zugang zur HPI Schul-Cloud haben, können ihren Unterricht mit diesen oder anderen Programmen digital gestalten.

Die Auswertung der Fortbildungsreihe zeigt, wie die Seminare bei den Teilnehmenden ankommen. Vielen Lehrkräften des Marianum gefällt laut den Umfrageergebnissen besonders das Ausprobieren vieler verschiedener Werkzeuge, sowie die digitale Verfügbarkeit aller Kursmaterialien. Um den Seminarteilnehmenden die vielen Möglichkeiten der Digitalisierung für den Unterricht zu zeigen, integriert Mina Ghomi diese selbst in ihre Seminare: Sie nutzt Umfragen, Quizze, Lernvideos und demonstriert, wie man gemeinsam an digitalen Postern, Blogs oder Dokumenten arbeiten kann. „Der Erfahrungsblog liefert gute Ideen, wie die Werkzeuge eingesetzt werden können,“ schreibt ein anonymer Teilnehmer aus Meppen im digitalen Evaluationsbogen über ein von Mina Ghomi erstelltes Dokument zur kollaborativen Nutzung: Padlet. Dies soll Lehrkräften nicht nur einen Erfahrungsaustausch ermöglichen, sondern ist auch eine Plattform für die Vor- und Nachbereitung der Seminartermine. Alle können so beispielsweise auf eine Sammlung von bereits im Netz existierenden Materialpools und Portalen zugreifen.

Martin Albrecht, Lehrer für Erdkunde am Gauss-Gymnasium in Worms, ließ sich von Mina Ghomis Art einen Kurs zu gestalten inspirieren: Seine Schülerinnen und Schüler erstellten in Gruppenarbeiten ein Padlet über vier unterschiedliche Schwerpunkte zum Thema Indien. Das digitale Board diente den Schülerinnen und Schülern als Arbeitsdokument während der Bearbeitungsphase und zur Ergebnisdokumentation des Gelernten während einer Projektwoche.

Die neuen Erkenntnisse bestehen den Praxistest

Bei den Jugendlichen kommt das digitale Engagement ihrer Lehrerinnen und Lehrer gut an. Ein Biologielehrer der Europaschule in Kerpen hat kahoot im Seminar kennengelernt und setzt dies nun auch im Unterricht ein: „Gamification klappt einfach bei Schülern – und bei uns. Es bringt mir auch mehr Spaß, dass die Schüler so um Punkte wetteifern können.“ 

Auch Susann Kubicek, Lehrerin in Worms, stößt auf positive Resonanz, als sie ihren Englisch-Leistungskurs Erklärvideos mit mysimpleshow anfertigen ließ. „Die Schüler fanden das sehr schön. Sie mussten eigene Inhalte so verarbeiten, dass am Ende ein Lernvideo für die anderen dabei rausgekommen ist“, so Kubicek. In einem anderen Englischkurs in Kerpen nutzt ein Lehrer Quizlet Live als Vokabelspiel. In den letzten 10 Minuten einer Doppelstunde werden die Vokabeln der entsprechenden Units wiederholt. Nach drei Monaten regelmäßigen Einsatzes zeigt das Feedback seiner Schülerinnen und Schüler laut einer Mentimeter-Umfrage: Über 80 Prozent müssen jetzt zu Hause weniger Vokabeln nach der alten Methode lernen – eine Zeitersparnis, die auch noch Spaß bringt.

Einige von Mina Ghomis digitalen Tipps und Tricks, stoßen bei Lehrkräften aber auch auf Ratlosigkeit. Die VR-Brille sorgt zwar zu Beginn für große Begeisterung, jedoch fällt zumindest in Worms keinem der Teilnehmenden ein Unterrichtsszenario ein, das durch diese Technik sinnvoll ergänzt werden könnte. Auch das Scannen von QR-Codes ist für einige Lehrkräfte eine neue Erfahrung. Manche wollen die Zeit während der anstehenden Sommerferien nutzen, um das neu Erlernte auszuprobieren und sich an die unbekannten Methoden zu gewöhnen. Trotz unterschiedlicher Vorkenntnisse der Lehrerinnen und Lehrer bleibt Mina Ghomi optimistisch: „Das Schöne an heterogenen Gruppen ist, dass die erfahreneren Teilnehmenden den anderen helfen. Einzelkämpfer waren gestern, Digitalisierung schafft man nur gemeinsam“.

Weitere Seminare im nächsten Schuljahr

Mina Ghomi hofft, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nun das Gelernte ins Kollegium weitertragen. Martin Albrecht hat bereits eine Idee, wie das an seiner Schule funktionieren könnte: Zum Ende der letzten Sitzung will er seine Kolleginnen und Kollegen für kurze Impulsvorträge auf Konferenzen gewinnen. Während des nächsten Schuljahres stellt er sich eine Art Infokiosk vor. Das könnte ein maximal 45-minütiger Workshop von Lehrkräften für Lehrkräfte sein, der schließlich ihren Unterricht ein Stück digitaler werden lässt. Ab nächstem Schuljahr startet Mina Ghomi erneut eine Tour zu MINT-EC-Schulen in ganz Deutschland. Bis zum 15. August können MINT-EC-Schulen unter diesem Link ihr Interesse äußern an dem kostenlosen Angebot teilzunehmen. Weitere Informationen zur Fortbildungsreihe gibt es hier.

Hier gibt es ein kleines Interview mit zwei Teilnehmenden aus Kerpen zum Anhören:

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